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Die Entwicklung der österreichischen Bauwirtschaft

Aktualisiert: 10. Juni

Kaufhaus Lamarr von SIGNA. Unfertigte Baustelle in Wien auf der Mariahilferstraße


Ein Blick auf die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Die österreichische Bauwirtschaft ist ein essenzieller Wirtschaftszweig des Landes. Seit vielen Jahren trägt sie nicht nur zur Schaffung von Wohn- und Gewerbeflächen bei, sondern auch zur Erhaltung und Verbesserung der Infrastruktur. Ein Rückblick auf die letzten zwei Jahrzehnte zeigt deutliche Schwankungen bei der Anzahl der Unternehmen, Beschäftigten und den Baukosten. Gleichzeitig wird die Zukunft von Herausforderungen wie dem Fachkräftemangel, steigenden Baukosten und der Integration von Technologie geprägt sein.


Rückblick: Die österreichische Bauwirtschaft von 2007 bis 2021

Die Jahre 2007 bis 2021 zeichnen sich durch signifikante Veränderungen in der österreichischen Bauwirtschaft aus, sowohl in Bezug auf die Anzahl der Unternehmen als auch die Beschäftigtenzahlen.

2007 bis 2012: Stetiges Wachstum

Im Jahr 2007 verzeichnete die Bauwirtschaft in Österreich 36.849 aktive Unternehmen und 285.805 Beschäftigte. Dieser positive Trend setzte sich bis 2012 fort, als die Anzahl der Unternehmen auf 41.270 und die Zahl der Beschäftigten auf 310.303 stieg. Dieser Zeitraum war geprägt von einer stabilen Nachfrage im Bausektor, die sowohl durch den Wohnungsbau als auch durch öffentliche Investitionen in die Infrastruktur angetrieben wurde.

2012 bis 2015: Leichter Rückgang

Ab 2012 folgte ein Rückgang in der Branche. Im Jahr 2015 waren nur noch 39.329 Unternehmen aktiv, und die Zahl der Beschäftigten sank leicht auf 308.206. Dieser Rückgang war auf verschiedene Faktoren zurückzuführen, darunter wirtschaftliche Unsicherheiten und eine vorübergehende Abschwächung der Investitionen im privaten und öffentlichen Sektor.

2015 bis 2021: Erneuter Aufschwung

Nach diesem Rückgang erholte sich die Bauwirtschaft jedoch schnell wieder. 2020 gab es 40.946 aktive Unternehmen, und bis 2021 stieg die Zahl der Beschäftigten auf beeindruckende 359.679 an. Diese Erholung ist vor allem auf mehrere Großprojekte sowie eine hohe Nachfrage nach Wohnraum zurückzuführen. Gleichzeitig sorgten niedrige Zinsen für günstige Finanzierungsmöglichkeiten, was ebenfalls zur Belebung der Branche beitrug.

Diagramm-StatistikAustria-Unternehmen-Beschäftigte im Baugewerbe-2007 bis 2021-Österreich

Gegenwart: Volatile Baupreise und ihre Ursachen

Während sich die Anzahl der Unternehmen und Beschäftigten in der Bauwirtschaft stabilisiert hat, stehen Bauunternehmen heute vor einer neuen Herausforderung: den stark schwankenden Baupreisen. Ein entscheidender Faktor dabei sind die Rohstoffpreise, die seit einigen Jahren stark steigen.

Baukostenindex: Ein dramatischer Anstieg

Der Baukostenindex zeigt einen deutlichen Anstieg in den letzten Jahren. Laut Statistik Austria sind die Lohnkosten im Bauwesen von 2016 bis zum ersten Halbjahr 2023 um 21 % gestiegen. Noch drastischer ist die Entwicklung der Materialkosten, die im gleichen Zeitraum um satte 48 % zugenommen haben.

Diese Preisschwankungen sind vor allem auf zwei wesentliche Faktoren zurückzuführen:

  1. Rohstoffpreise: Die globalen Rohstoffpreise, insbesondere für Materialien wie Stahl, Holz und Beton, sind in den letzten Jahren deutlich angestiegen. Dies ist teils auf Lieferengpässe und steigende Nachfrage in anderen Ländern zurückzuführen, aber auch auf Handelskonflikte und Umweltauflagen, die die Produktion und den Transport verteuern.

  2. Corona-Finanzspritzen: Die während der Corona-Pandemie gewährten Finanzhilfen haben dazu beigetragen, die Nachfrage in der Bauwirtschaft zu stützen. Gleichzeitig haben sie jedoch die Inflation angetrieben und so die Kosten für Materialien und Arbeitskräfte weiter in die Höhe getrieben.

Auswirkungen auf die Bauwirtschaft

Die Folgen dieser Entwicklungen sind nicht zu übersehen. Viele Bauunternehmen stehen vor der Herausforderung, langfristige Bauprojekte bei sich ständig ändernden Kostenstrukturen zu planen. Preisbindungen über einen längeren Zeitraum werden zunehmend riskanter, da unvorhersehbare Preissprünge die Rentabilität von Projekten erheblich gefährden können. Dies führt oft zu Verzögerungen oder zu Nachverhandlungen zwischen Bauherren und Auftragnehmern.

Diagramm-StatistikAustria-Baukostenindex-2016 bis 2021-Österreich

Ein Blick in die Zukunft: Herausforderungen und Trends in der Bauwirtschaft

Wie wird sich die Bauwirtschaft in Österreich in den kommenden Jahren entwickeln? Ein berühmtes Sprichwort lautet: „Die Vergangenheit wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich.“ Mit diesem Gedanken im Hinterkopf können wir bestimmte Marktentwicklungen und Liquiditätsbewegungen analysieren und davon ausgehen, dass zyklische Muster auch in Zukunft eine Rolle spielen werden.

1. Fachkräftemangel und demografischer Wandel

Eines der größten Probleme, das die österreichische Bauwirtschaft in naher Zukunft bewältigen muss, ist der zunehmende Fachkräftemangel. Die Zahl der qualifizierten Arbeitskräfte nimmt aufgrund des demografischen Wandels stetig ab. Es wird immer schwieriger, genügend Fachkräfte zu finden, die die wachsenden Anforderungen in der Bauwirtschaft erfüllen können.

Dieser Fachkräftemangel könnte dazu führen, dass Projekte verzögert werden oder gar nicht erst realisiert werden können. Hierbei wird es entscheidend sein, neue Wege zu finden, um die Produktivität zu steigern, ohne dabei ausschließlich auf menschliche Arbeitskraft angewiesen zu sein.

2. Technologie als Lösung: Automatisierung und Robotik

Eine der möglichen Antworten auf den Fachkräftemangel liegt in der verstärkten Nutzung von Technologie. Softwarebasierte Lösungen, Robotik und automatisierte Bauprozesse könnten helfen, die Effizienz zu steigern und Arbeitskräfte zu entlasten. Insbesondere Roboter könnten in der Zukunft Aufgaben übernehmen, die bisher von menschlichen Arbeitern erledigt wurden, wie zum Beispiel das Mauern oder das Verlegen von Rohren. Dadurch könnten sich auch die Arbeitsbedingungen verbessern, indem körperlich anstrengende Tätigkeiten reduziert werden.

3. Modularer Bau und Vorfertigung

Ein weiterer Trend, der in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen könnte, ist die modulare Bauweise. Hierbei werden Teile von Gebäuden in Fabriken vorgefertigt und anschließend auf der Baustelle zusammengesetzt. Diese Vorgehensweise spart nicht nur Zeit, sondern auch Kosten, da viele Arbeitsschritte unter kontrollierten Bedingungen effizienter durchgeführt werden können.

Vor allem in städtischen Gebieten, wo der Platz knapp ist und Projekte schnell realisiert werden müssen, kann die modulare Bauweise einen großen Vorteil bieten. Darüber hinaus ermöglicht sie eine höhere Standardisierung und damit eine bessere Qualitätssicherung.

4. Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz

Auch der Aspekt der Nachhaltigkeit wird in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Bauunternehmen müssen sich zunehmend mit Fragen der Ressourcenschonung und des Umweltschutzes auseinandersetzen. Baustoffe wie Beton oder Stahl haben einen hohen CO2-Ausstoß, und es wird erwartet, dass der Druck auf die Branche wächst, umweltfreundlichere Alternativen zu finden und diese effizient zu nutzen. In diesem Zusammenhang könnten auch recycelte Materialien und nachhaltige Baukonzepte eine größere Rolle spielen.


Fazit: Die Zukunft der Bauwirtschaft in Österreich

Die österreichische Bauwirtschaft steht vor vielen Herausforderungen, aber auch vor spannenden neuen Möglichkeiten. Die steigenden Baukosten und der Fachkräftemangel zwingen die Branche, neue Wege zu finden, um effizienter und kostengünstiger zu arbeiten. Technologie, Automatisierung und modulare Bauweisen werden dabei eine Schlüsselrolle spielen. Gleichzeitig gilt es, nachhaltigere Lösungen zu entwickeln, um den ökologischen Fußabdruck der Bauindustrie zu reduzieren.

Die nächsten Jahre werden zeigen, wie gut sich die österreichische Bauwirtschaft diesen Herausforderungen anpasst. Doch eines ist sicher: Wer sich jetzt innovativ und flexibel zeigt, wird in Zukunft einen entscheidenden Vorteil haben.


Quellen:

  • Statistik Austria: Entwicklung der Bauwirtschaft und Baukosten (2007-2023)

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